Werbung
In dem Bericht werden die Bildungssysteme und Bildungsausgaben der 36 OECD-Länder und zehn weiterer Länder miteinander verglichen. Deutschland schneidet grundsätzlich gut ab. Foto: Wolfgang Kumm

Lob und Kritik für Deutschlands Bildungssystem

Lehrermangel, Unterrichtsausfall, marode Schulen und übervolle Hörsäle - über das deutsche Bildungssystem wird viel geschimpft. Im internationalen Vergleich steht es aber ganz gut da.

  • 10.Sep 2019, 15:24 Von Jörg Ratzsch, dpa
  • 30,190
  • 30

Berlin (dpa) - Das deutsche Bildungssystem bekommt im internationalen Vergleich gute Noten für Vorschule, Kita und höhere Abschlüsse. Nachholbedarf gibt es dagegen bei der Grundschulfinanzierung und bei der Gleichbehandlung von Männern und Frauen.

Das geht aus dem jährlichen Ländervergleich der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, der am Dienstag in Berlin vorgelegt wurde. In dem mehr als 500 Seiten starken Bericht werden die Bildungssysteme und Bildungsausgaben der 36 OECD-Länder und zehn weiterer Länder miteinander verglichen.

Deutschland investiere mehr in frühkindliche Bildung pro Kind als der Durchschnitt der OECD-Länder, heißt es in der Studie. «Das finanzielle Engagement in diesem Bereich ist klar zu begrüßen», sagte der stellvertretende OECD-Generalsekretär Ludger Schuknecht. Fast alle Drei- bis Fünfjährigen besuchen in Deutschland inzwischen eine Kita oder eine andere Betreuungseinrichtung. Die Quote sei zwischen 2005 und 2017 von 88 auf 95 Prozent gestiegen. Lob gibt es auch für den Betreuungsschlüssel in der Vorschule. Auf eine Lehrkraft kommen demnach in Deutschland neun Kinder. Im Durchschnitt der OECD-Länder sind es 16 Kinder.

Werbung
Werbung

Der Präsident der Kultusministerkonferenz und hessische Bildungsminister Alexander Lorz (CDU) sagte: «Deutschland punktet mit einer hohen Bildungsbeteiligung von der frühkindlichen Bildung an, mit einem hohen Qualifizierungsgrad und mit einer dualen Berufsausbildung, die für einen gelingenden Einstieg ins Berufsleben und eine überdurchschnittliche Beschäftigungsquote sorgt.»

Bei den Gesamtausgaben für Bildung liegt Deutschland mit 4,2 Prozent der Wirtschaftsleistung leicht unter dem OECD-Schnitt. Es gebe hierzulande allerdings auch weniger Kinder und eine ältere Bevölkerung, sagte Schuknecht. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) wies darauf hin, dass sich die deutschen Bildungsausgaben von 2008 bis 2018 mehr als verdoppelt hätten.

Weiterhin gilt in allen OECD-Ländern: Je höher der Abschluss, desto besser die Berufs- und Verdienstaussichten. Immer mehr junge Menschen streben höhere Abschlüsse an. 2018 hatte jeder dritte junge Erwachsene in Deutschland einen Hochschul- oder vergleichbaren Abschluss in der Tasche, zehn Jahre zuvor war es nur jeder Vierte. Dass die Zahl der Studenten in Deutschland trotzdem im Ländervergleich immer noch vergleichsweise niedrig ist, begründen die OECD-Experten damit, dass die duale Berufsausbildung mit Praxis und Berufsschule einen so hohen Stellenwert habe.

Werbung
Werbung

Gute Noten bekommt Deutschland für die «MINT»-Fächer: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Absolventen dieser Fächer sind besonders gefragt. Deutschland liegt bei der Anzahl der Abschlüsse hier deutlich über dem OECD-Durchschnitt.

Trotzdem ist nicht alles gut im deutschen Bildungssystem. Der OECD-Bericht sieht zum Beispiel Probleme bei der Finanzierung der Grundschulen: Dort, wo am ehesten Bildungsnachteile ausgeglichen werden könnten, seien die Investitionen in Deutschland vergleichsweise niedrig, heißt es. Und Defizite gibt es auch bei der Geschlechtergerechtigkeit. Zwar erreichen inzwischen ungefähr gleich viele Männer und Frauen höhere Abschlüsse, aber beim Gehalt haben Frauen dann trotzdem das Nachsehen. «Das Verdienstgefälle ist in Deutschland auf höheren Bildungsstufen größer als im Durchschnitt der OECD-Länder, insbesondere unter den 35- bis 44-Jährigen», heißt es.

Beim Dauerthema Lehrermangel gibt es interessante Befunde der OECD-Bildungsforscher. Am Geld allein kann es demnach nicht liegen: Deutschland sei in Sachen Verdienst eines der besten Länder für Lehrer. Zum Berufseinstieg verdienen sie in Deutschland zum Teil doppelt so viel wie im OECD-Durchschnitt. OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Es reicht nicht, den Lehrerberuf finanziell attraktiv zu machen.» Man müsse ihn intellektuell deutlich attraktiver machen, mit spannenden Karrieren, vielfältigeren Aufgabenbereichen und mehr Freiräumen in den Schulen. «Das ist immer noch ein sehr industrielles Arbeitsmodell, das es da bei uns gibt. Da sind viele Länder weiter».

Werbung
Werbung

Keine Einigung bei Gasgesprächen Russlands mit der Ukraine
Koalition ringt um Klima-Kompromiss - und die eigene Zukunft
Zoll verzeichnet immer mehr Produkt-Piraterie
Huawei schweigt zu Verfügbarkeit des neuen Top-Smartphones
VW und Porsche rufen fast 227.000 Autos zurück
Bluttests vor der Geburt unter Bedingungen auf Kassenkosten
Ryanair fürchtet weitere Verzögerungen für 737 Max
OECD warnt vor schwächstem Wachstum seit Finanzkrise
Parlament in Wien stimmt EU-Mercosur-Abkommen
Zahl der Baugenehmigungen geht abermals zurück
Um was es im Berliner Klimaschutz-Endspurt geht
EuGH-Urteil im Autoteilestreit
Dax unbeeindruckt von Zinsentscheidung der Fed
Investoren fordern Schutz des Amazonas
Freispruch in Japan für Ex-Atommanager wegen Fukushima
Wie funktioniert der Trisomie-Bluttest?
Trumps Handelskonflikte setzen US-Notenbank unter Druck
Bayern jubeln über positiven Start - Hoeneß wettert
USA werfen Iran «kriegerischen Akt» in Saudi-Arabien vor
Koalitionsspitzen beraten sich vor Klimakabinett
Urteil im Autoteile-Streit zwischen freien Händlern und Kia
Bayern-Start mit Pflichtsieg - Chancenwucher gegen Belgrad
US-Notenbank Fed senkt Leitzins um 0,25 Prozentpunkte
Bomben gegen den reichen Nachbarn: Was treibt Jemens Huthis?
Santander startet mit Digital-Bank Openbank in Deutschland 
Trump will Sanktionen gegen den Iran «bedeutend verstärken»
Generalstreik für den Klimaschutz? Ein Aufruf mit Risiko
In Israel droht Hängepartie - Große Koalition als Ausweg?
Nach Brückeneinsturz von Genua tritt Holding-Chef zurück
Neues Gesetz soll Ausbeutung von Paketboten verhindern