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Das neue Elektroauto ID.3 der Marke Volkswagen wird auf dem Messegelände der IAA präsentiert. Foto: Silas Stein

VW präsentiert Elektrowagen ID.3

Die Autoindustrie tut inzwischen einiges für die Umstellung auf E-Antriebe - nach Meinung von Klimaschützern jedoch bei weitem nicht genug. Bei der Automesse IAA betonen VW und der Branchenverband ihren Willen zum Wandel. Kritiker nehmen ihnen das nicht ab.

  • 10.Sep 2019, 09:02 dpa
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Frankfurt/Main (dpa) – Mit seinem neuen E-Mittelklassewagen ID.3 will Volkswagen den Aufbruch in die massentaugliche Elektromobilität markieren. Doch Klimaschützer verlangen von den Autokonzernen zum Start der IAA deutlich mehr Anstrengungen als nur frische Modelle.

Noch nie waren zu der am Donnerstag (12. September) in Frankfurt beginnenden Branchenmesse so massive Proteste angekündigt. Im Zentrum der Kritik stehen nicht erst seit dem verheerenden Unfall von Berlin mit vier getöteten Fußgängern die Stadtgeländewagen (SUV). Ob sie klassische Verbrennungsmotoren oder hochpotente Elektroantriebe unter der Haube haben, spielt kaum noch eine Rolle.

Heute geht die IAA in ihr Vorprogramm. Vor der offiziellen Eröffnung am Donnerstag mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) suchen Hersteller und Zulieferer das Gespräch mit den Medien. Auf dem Programm stehen unter anderem Termine bei den Herstellern VW, Daimler, BMW, Ford und Opel. Auch die großen Zulieferer Continental, Bosch, ZF und Schaeffler sind mit eigenen Veranstaltungen vertreten.

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Am Montag hatte es trotz der Präsentation des neuen VW-Elektrowagens ID.3 massiven Widerstand gegen die Modellpolitik der Industrie gegeben, die derzeit vor allem SUVs verkaufen will. Diese seien schon wegen ihres Gewichts sowie Energie- und Flächenbedarfs ungeeignet, hatten Kritiker erklärt und einen Verkaufsstopp gefordert. An den beiden ersten Publikumstagen der IAA sind am Samstag und Sonntag (14. und 15. September) große Demonstrationen und Proteste geplant.

Greenpeace bemängelt, die Autoindustrie unternehme zu wenig für den Wandel zu reinen sowie leichteren und kleineren E-Fahrzeugen. Laut einer Analyse der Umweltschutzorganisation lag die langfristig verursachte CO2-Belastung durch die zwölf größten Autohersteller 2018 über dem laufenden Treibhausgas-Ausstoß der EU. Der entsprechende «Fußabdruck» – er schätzt die Emissionen der Wagen über ihren gesamten Lebenszyklus – betrug demnach bei den im vergangenen Jahr verkauften Pkw rund 4,3 Milliarden Tonnen CO2. Diese Menge übertreffe diejenige des absoluten Ausstoßes aller EU-Staaten (4,1 Mrd t).

Der VW-Konzern war demzufolge für die größte Einzelmenge (582 Millionen Tonnen CO2) verantwortlich, vor Renault-Nissan (577 Mio t) und Toyota (562 Mio t). Daimler (161 Mio t) und BMW (136 Mio) kamen auf die Plätze elf und zwölf – zusammen mit den VW-Marken überstieg ihr Wert die laufenden Emissionen Deutschlands (866 Mio t). Direkt vergleichbar mit dem jährlichen Ausstoß sind diese Werte indes nur bedingt: Der «Fußabdruck» schließt die gesamte CO2-Bilanz von der Produktion über die Nutzung bis zum Recycling eines Autos ein.

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Greenpeace appellierte an die Unternehmen, sich entschlossener von Benziner-, Diesel- und Hybridantrieben zu verabschieden. Deren Verkauf müsse spätestens 2028 aufhören. «Versuche, die Effizienz des Verbrennungsmotors zu verbessern und Hybride zu fördern, sind nichts als Notlösungen», kritisierte Verkehrsexperte Benjamin Stephan.

VW betonte, man habe inzwischen klare Zielvorgaben: «Bis 2025 soll der CO2-Fußabdruck der Fahrzeug-Flotte um 30 Prozent gegenüber 2015 reduziert werden. Und das über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Dieses Ziel ist aus dem Pariser Klimaschutzabkommen abgeleitet.» Ein Sprecher erklärte, der Konzern strebe bis zum Jahr 2050 die «vollständige Dekarbonisierung» an. Bis 2025 solle außerdem der CO2-Ausstoß aller Werke gegenüber 2010 um die Hälfte sinken. Daimlers Werke sollen bis 2022 CO2-neutral sein, der Gesamtkonzern bis 2039.

Kritiker sehen die Autobauer bei klima- und umweltfreundlicherer Mobilität aber weiter unter Zugzwang. Sie verlangen Tempolimits, kleinere und mehr rein elektrisch betriebene Autos sowie eine grundlegend andere Verkehrspolitik. Die SUV-Produktion müsse enden.

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Der Verband der Automobilindustrie (VDA) versucht, mit den Kritikern ins Gespräch zu kommen. Die IAA habe sich von einer Auto- zur Mobilitätsmesse gewandelt, sagte Verbandschef Bernhard Mattes. Das langfristige Ziel bleibe die CO2-neutrale Mobilität im Jahr 2050.

Auch VW-Konzernchef Herbert Diess betonte: «Wir glauben, dass das Auto in der neuen Welt noch eine große Zukunft hat.» Der ID.3 sei «mehr als ein neues Modell». «Das ist das Auto, das von uns jetzt erwartet wird.» Es sei ein «entscheidender Moment».

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